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FOTO-REPORTAGE - Thailand palliativ

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Thailand palliativ

Ende 2017 entschied sich mein lieber Schwiegervater nach einer Krebsdiagnose auf eine weitere medizinische Behandlung zu verzichten und den beschwerlichen Weg in den Tod zu gehen. Während etwas mehr als einem Monat begleitete ich die Familie bei der intensiven Palliativ Care, bei der die Beschwerden der Krankheit gelindert aber nicht mehr bekämpft werden. Entstanden ist daraus eine berührende und intime Fotoreportage.

Zu erleben, wie dieser für alle Beteiligten belastende Lebensabschnitt in Thailand gehandhabt wird, nämlich mitten in der Familie und nicht abgeschoben in einem Altersheim, ist äusserst berührend.  

Tagtäglich findet sich die ganze Familie am Krankenbett ein, spricht und witzelt mit dem kranken Vater und Ehemann, obwohl meistens kaum noch eine verständliche Antwort zurückkommt. Todkrank und dennoch mitten im Leben, aufgehoben im Kreis der Familie. 

Trotz der eigentlich traurigen Zeit sind alle Familienmitglieder grundsätzlich fröhlich und machen viele unschuldige Spässchen mit dem Patienten, tauschen Liebenswürdigkeiten mit ihm aus und sind in seinen letzten Lebenstagen einfach mit ihm da.

Trotz aller Fröhlichkeit entstehen auch viele Momente der innigen Ruhe und...

... des Abschieds, begleitet von warmherzigen Gesten der Zuneigung, die vor Ausbruch der Krankheit kaum denkbar gewesen wären.

In praktisch jeder Familie gibt es einen lang erfahrenen Mönch, der in solchen Fällen gern herbei gebeten wird, um ...

... mit dem Patienten und den Anwesenden mithilfe eines kontemplativ-monotonen Singsangs aus der buddhistischen Tradition zu meditieren.

Nach Tagen des komatösen Dahinvegetierens wacht Schwiegervater Kasin plötzlich wieder auf möchte gerne ein bisschen Banane essen. Sein Bruder hilft ihm dabei.

Seit ganzen vier Wochen ist Schwiegervater Kasin bettlägerig, kaum ansprechbar, meistens komatös. Nun will er noch einmal aus dem Bett. Mit vereinten Kräften heben ...

... wir ihn vom Bett in den Rollstuhl und schieben ihn in den angenehmen Schatten der Veranda, wo wir ihm die Haare ein bisschen zurechtschneiden ...

... und ihn waschen. Nach etwa einer halben Stunde im Rollstuhl ist er erschöpft und will zurück ins Bett.